SEO und Gendern?

SEO und gendergerechte Sprache: Ein Nachteil bei Google?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Gendern von SEO-Texten in Bezug auf die Sichtbarkeit  Google-Trefferlisten einen Nachteil darstellt. Google hat den Anspruch, ein menschliches Sprachverständnis nachzubilden und die relevantesten Ergebnisse für bestimmte Keywords anzuzeigen. Nicht überraschend also, dass es auch in der Welt der Suchmaschinen und Algorhythmen nicht ohne sprachliche Diskriminierung zugeht.

Tests zeigen, dass der Großteil des Suchvolumens bei Berufsgruppen auf die maskuline Form entfällt, was Google dementsprechend auch mit einer mehr als deutlichen Tendenz der überwiegend männlichen Schreibweise in den Ergebnislisten beantwortet. Dies ist sogar häufig so, wenn eine bestimmte Berufsgruppe in weiblicher Schreibweise gesucht wird.

Gleich zu den Tipps: SEO-Texte gendern funktioniert!

Es zeigt sich also eine markante Gender Bias in Bezug auf die Sichtbarkeit von Frauen in SEO-Texten. Richtig düster werden die (Erfolgs-)Aussichten, wenn mensch konsequent am Anspruch der Sichtbarkeit aller in der Sprache festhalten will, indem Texte durchgängig – z.B. mittels Sternchen* – gegendert werden. Schlicht formuliert neigt Google zur Weigerung, die Anfrage anzunehmen und versucht es in der Autokorrektur mit dem Vorschlag der männlichen Schreibform.

SEO-Keywords & Gendern: Was niemand sucht, wird nicht gefunden

In der Suchmaschinenoptimierung ist die Keyword-Recherche ein wichtiges Tool. Wenn ich hingehe und für mich relevante Keywords wie z.B. „SEO Freelancer*in“, „SEO Freelancerin“ und „SEO Freelancer“ mit einem Keyword-Tool hinsichtlich Ihrer Tauglichkeit als Keywords checke, dann spricht das Ergebnis Bände:

 

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Die guten Nachrichten zuerst: Die SEO-Difficulty (SEO-Schwierigkeitsgrad) für die weibliche und die Sternchen-Form ist sehr gering, die Erfolgsaussichten für eine Top-Positionierung mit diesen Keywords also hoch. Aber was nützt das, wenn kaum jemand danach sucht. Und genau da beißt sich die Katze in den Schwanz: Google bildet nur ab, was in der realen Welt leider noch in den Köpfen der breiten Masse vorherrscht.

Heißt es „Gendern ODER für Google optimieren“?

Ist SEO und Gendern dann ein Kamikaze-Projekt, bei dem mensch den SEO-Erfolg für das Ideal der Gendersensibiltät opfert? Und ist das nicht die Frage nach dem Huhn und dem Ei? Was muss oder wird sich zuerst ändern: Das Denken, Fühlen und Sprechen der Menschen, also die realen Verhältnisse oder die Algorhythmen der Suchmaschinen?

Ich denke, die Frage ist irreführend, denn Google, Bing, Yandex,  DuckDuckGo und Ecosia sind längst integraler Teil der realen Verhältnisse, unsere alltägliche Umgebung, die uns prägt UND die wir prägen (Springender Punkt: Algorhythmen lernen!).

Wenn gendersensibles SEO-Texten nachweislich schlecht für die SEO-Optimierung ist, dann bedeutet das Abstriche in der Online-Sichtbarkeit und einen ganz konkreten ökonomischen Nachteil für Frauen, Transpersonen und letztlich alle Geschlechtsidentitäten, die sich mit der rein männlichen Form nicht gemeint fühlen und darüber hinaus für alle, die einfach ihren Werten gemäß gendergerechte Sprache auch in ihren SEO-Texten praktizieren wollen. Egal ob Genderstern, Gender-Gap oder Binnen-I, bei den Suchmaschinen gibt es noch viel Optimierungsspielraum nach oben. Überraschung: Warum sollte es im Internet anders sein als anderswo?

So geht’s: SEO und Gendern funktioniert!

Meine SEO-Texte sind gegendert und das, obwohl ich weiß, dass meine Konkurrenz zu den Themen SEO und Wegdesign aus Profis besteht, gegen die gendernde Frau sich erst mal durchsetzen muss. Und dennoch: Es funktioniert.

Gewusst wie: Gendergerechte Suchmaschinenoptimierung

  • Es empfiehlt sich, die Leistung oder das Thema in den Vordergrund zu stellen und nicht die Person, also gewissermaßen geschlechtsneutral vorzugehen.
    Beispiel: Optimierung auf „Webdesign“ statt „Webdesignerin“
  • Zusätzlich kann mensch die männliche Variante an versteckten SEO-Stellen einfügen (Bilddatei-Namen, URL, Alt-Texte für Bilder). Auch die Metatexte kommen dafür in Frage (z.B. gegen Ende der Description).
  • Nicht zu vergessen, dass die Nische im SEO ein beliebter, weil erfolgsverwöhnter Tummelplatz ist und zwar nicht nur, weil ein gutes Ranking dort leichter zu haben ist. Soll heißen: Sich in den eigenen SEO-Texten zu zeigen,  z.B. als Frau und gendernd, bedeutet auch hervorragende Chancen auf die „richtigen“ Website-Besucher. Wer explizit in der weiblichen  Form oder gendersensibel (mit *) sucht bekommt auf einer so gestalteten Website exakt das Gesuchte: eine Frau und gendersensibel schreibenden Menschen. Wenn das mal nicht der  Conversion Rate, also der Umwandlung von Besuchern zu Handelnden, z.B. Anfragenden, zu Gute kommt.
  • Und noch ein Tipp: Das Online-Genderwörterbuch geschicktgendern.de ist eine gute Hilfe, wenn es um alternativen gendergerechte Begriffe geht.
  • Wie immer: Content is King. Die Grundregel aller zeitgemäßen Google-Optimierung verliert ja nicht an Gültigkeit, nur weil man Wert auf diskrimierungsfreie Texte legt. Also: Schreiben Sie richtig gute SEO-Texte, bei denen Sie an Leser*innen denken und nicht an Suchmaschinen. Das wirkt.

Grundsätzliche Tipps zum gendersensiblen Texten:

  • Nutzen Sie Partizipien: „designed von/by“ ist stimmig und ebenso wenig sperrig wie „Designer“.
  • Verwenden Sie Relativsätze: „Wer schreibt, ist kreativ.“ statt „Ein Autor…“.
  • Vermeiden Sie Rollen-Klischees oder gehen Sie noch einen Schritt weiter und brechen Sie sie auf, z.B.: Kosmetiker und Fernfahrerin.
  • Prüfen Sie den Lesefluss. Einfach mal laut vorlesen… Seien Sie kreativ, oft kann mensch sich auch anders ausdrücken.

Generell gilt: Wenn Sie online gefunden werden möchten und Unterstützung bei Ihrer SEO-Optimierung benötigen, bin ich gern für Sie da.

Die Sinnfrage: Warum gendern?

Auf die Frage, warum es richtig und wichtig  ist, nicht nur SEO-Texte zu gendern, gehe ich an dieser Stelle nicht mehr wirklich ein, weil: Klar. Ein wertschätzender Umgang mit all meinen Website-Besucher*innen lässt in meinen Augen ein simples „Mitmeinen“ im Generischen Maskulinum keinesfalls zu. Leider gibt es, was das angeht, im Internet mindestens ebenso viel Handlungsbedarf wie anderswo. Dennoch gehe ich davon aus, dass ein Großteil meiner Auftraggeber*innen zumindest auf Ihrer Website eine diskriminierungsfreie,  gendergerechte Sprache praktizieren würde, wenn ihnen die Frage danach überhaupt in den Sinn gekommen wäre.

Machbare Herausforderung

Irgendwann habe ich es bei meiner Arbeit zur Standardfrage an meine Kund*innen gemacht, ob deren Webseitentexte gegendert werden sollen. Neben zwar irritierten, aber freundlich offenen Reaktionen, die letztendlich in genderegerechte SEO-Texte mündeten, habe ich auch schon ein irritiertes „Hä? Ach, der Kram… So was Neumodisches machen wir nicht…“ gehört.

Diese Antwort zeigt gewissermaßen auf den Kern der Sache. Sprache, auch bei Website-Texten, gehört allen Menschen. Und: Sprache unterliegt einem stetigen kreativen Wandel, an dem alle, bewusst oder unbewusst, beteiligt sind, auch als bremsende Kräfte. Gerade weil die Frage, Gendern oder nicht,  auch die eigene Identität berührt (denn alle haben ein Gender-Selbstverständnis) wird die Debatte so heftig geführt und der Widerstand der  Sprachbewahrer (s.o.) so penetrant ins Feld geführt. Wer ernsthaft der Überzeugung ist, frau / trans könnte sich auch einfach ein wenig unkomplizierter „mitgemeint“ fühlen, werfe einen Blick in den diesbezüglichen Twitter-Hashtag.

Die Sichtbarkeit aller, auch in der Sprache, ist wichtig. Da ist so ein klein wenig SEO-Schwierigkeit doch eine machbare Herausforderung, die mensch annehmen sollte.

SEO und Gendern?